Caridina Japonica

Length: 1979 words

Caridina japonica,
die Amanogarnele Yamato-numa-ebi
Swassergarnelen der Gattungen Atyopsis, Macrobrachium und Caridina erobern schon seit langer Zeit die Becken und Herzen
derjenigen Aquarianer im Sturm, die so unvorsichtig waren, sich ernsthaft mit diesen faszinierenden Wirbellosen einzulassen. Dennoch
muten sie hinsichtlich einer breiteren Popularitt meist hinter der beflossten Konkurrenz ein unverdientes Nischendasein fristen,
obwohl sie doch mit Eigenschaften aufwarten knnen, die besonders einige Vertreter zu fast idealen Aquariumbewohnern machen.

Zuzutrauen wre ihnen selbstverstndlich auch, da sie ihren groen Auftritt auf einen Zeitpunkt verlegen wollten, der ihnen hierfr
endlich einen angemessenen Rahmen bieten konnte.

Opfer dieser ausgeklgelten Strategie wurde schlielich der japanische Fotograf und Pflanzenliebhaber Takashi Amano, der mit seinen
phantastischen Fotobnden und der Prsentation seines Konzeptes eines Naturaquariums nicht nur der Aquaristik weltweit neue,
interessante Impulse vermittelte, sondern auch einer kleinen Swassergarnele ihr coming out.

Es ist angerichtet… verschiedene Algen unter dem Mikroskop
Warum geniet nun unter zahllosen Arten der Gattung Caridina ausgerechnet C. japonica inzwischen geradezu einen Kultstatus ?
In Pflanzenbecken mit sehr migem Fischbesatz, starker Beleuchtung und entsprechend hierauf abgestimmter CO2-Zufuhr finden nicht
nur Wasserpflanzen gnstige Bedingungen vor, sondern auch verschiedene Algenarten, insbesondere Fadenalgen. Gerade bei solch
einem schnellen Becken laufen gelegentlich einmal einige Faktoren schneller aus dem Ruder, als man mit Korrekturen nachkommen
kann und die Algen nutzen die Gunst der Stunde, sich nicht dankbar

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auf das ihnen wohlwollend eingerumte Ma zu beschrnken.

Auf der Suche nach einer natrlichen Algenprophylaxe hat Takashi Amano parallel zum Einsatz von Otocinclus-Arten (fr die Scheiben
*g*) mit verschiedenen einheimischen Swassergarnelen experimentiert. C. japonica aus der Region Yamato soll sich dabei als die
weitaus effizienteste Art erwiesen haben.

Yamato-numa-ebi – charakteristischer Rckenstreifen
Nachdem ich selbst seit einiger Zeit Erfahrungen mit verschiedenen Swassergarnelen sammeln konnte, vor allem mit Neocaridina
denticulata und meinem persnlichen kleinem Favoriten, der Zebra- oder Rotschwanzgarnele C. serrata, stand ich den
sagenumwobenen Qualitten von C. japonica als Rasenmher fr Fadenalgen mehr als skeptisch gegenber.

Kennengelernt hatte ich meine Garnelen bisher als ausgesprochene Allesfresser, bevorzugt wurde immer genau das Futterangebot,
welches bei geringstem Aufwand die meiste Energie lieferte. Die Palette reicht von Tubifex ber Trockenfuttertabletten bis hin zu
abgestorbenen Pflanzenteilen. Algen waren auch dabei…

Irgendwann war ich vollstndig vom Garnelen-Bazillus durchdrungen, und meine C. serrata stieen mit ihrer energischen Forderung
nach einem eigenen Becken nur auf schwache Gegenwehr, da ich ohnehin die Einrichtung eines Pflanzenbeckens ohne jeglichen
Fischbesatz plante. Schon nach kurzer Zeit bekundeten die kleinen Racker ihr Wohlgefallen am neuen Lebensraum durch monatliche
Verdoppelung des Bestandes, kamen aber der ihnen zugedachten Aufgabe als Algenkontrolleure nur mehr als nachlssig nach. Ich sah
mich der gewaltigsten Explosion von Fadenalgen in meiner langjhrigen aquaristischen Laufbahn ausgesetzt, whrend die
Rotschwanzgarnelen zu Hunderten feixend auf den Blttern saen und sich die Buche hielten vor Lachen… Derart provoziert, hielt
umgehend die Rache des kleinen Mannes Einzug in das Becken, indem ich den undankbaren Gesellen mit etwa zwanzig C. japonica
ihre aufgeblasene, berhmte Verwandtschaft vor die germpfte Nase setzte.

Caridina japonica (Decapoda – Caridea, Fam. Atyidae) wird mit etwa 5,5 cm deutlich grer als die nur 2,5 cm erreichenden C. serrata,
kann farblich zwar nicht ganz mithalten, bringt aber sonst alle positiven Eigenschaften mit, die den Reiz dieser geselligen
Schnellkomposter mit groem Unterhaltungswert ausmachen. Schnell ihr ausgesprochenes Glck erfassend, bei einem
ausgesprochenen Garnelenfreund gelandet zu sein, der sie vorurteilsbeladen auf ihre hochgepriesenen, besonderen Eigenschaften hin
abzuklopfen gedachte, machten sich die Neuankmmlinge sogleich an die Arbeit und vertilgten unter den staunenden Augen ihres
Gastgebers smtliche Fadenalgen binnen weniger Tage. Dieses Ergebnis bertraf meine khnsten Erwartungen und so fllt es mir auch
nicht schwer, als frischgebackener Jnger des C. japonica Kultes hier ein bichen Werbung fr diese Art zu machen.

Die Ansprche hinsichtlich der Haltungsbedingungen unterscheiden sich nur unwesentlich von denen anderer Swasserdecapoden.

Wie alle Wirbellosen, reagieren Garnelen sehr empfindlich auf Metallverbindungen, insbesondere Kupfer. Dies ist im Zusammenhang mit
einer Behandlung etwaig auftretender Fischkrankheiten zu bedenken.

Ein Aquarium, in dem sich Garnelen wohlfhlen….

Die Haltung von Caridina japonica im Gesellschaftsbecken ist gut mglich, nur sollte man sich hten, ihnen ruberische oder besonders
aufdringliche Fischarten zur Seite stellen zu wollen. Krebstiere machen in den Ursprungslndern der Aquarienfische einen groen Teil
des Speiseplans aus. Dort treten die hier so kostbaren Garnelen zeitweise in derartigen Mengen auf, da Fnger der eigentlichen
Objekte der Begierde alle Hnde voll zu tun haben, diese Lstlinge immer wieder aus den Maschen ihrer Fangnetze
herauszuoperieren.

Auch wenn Garnelen Meister der Tarnung sind und sich auf vielerlei trickreiche Verfahren verstehen, dem Zugriff ihrer Jger zu entgehen,
so wird man bei falscher Vergesellschaftung nichts von ihrem interessanten Sozialverhalten zu Gesicht bekommen, unter Umstnden
sogar annehmen, die Tiere seien wohlmglich gestorben, obwohl sie nur im Geheimen ihr Unwesen treiben. Auch die Pflanzen werden
dann nicht mehr begrtnert, so da die ihnen im allgemeinen bei der Anschaffung zugedachte Aufgabe der Algenkontrolle ein
Wunschtraum bleiben mu…

Setzt man aber eine ausreichend groe Gruppe (ab 10 Tieren aufwrts, je nach Beckengre) in ein eingefahrenes, gut bepflanztes
Aquarium mit ausreichend Versteckmglichkeiten, so entfalten sich die liebenswerten Eigenschaften dieser geselligen Asiaten und man
wird seine helle Freude an ihnen haben.

Die Temperaturtoleranz erstreckt sich ber den weiten Bereich von 15-28 C, wobei hhere Temperaturen (ber 30 C) unbedingt
vermieden werden sollten, da C. japonica als kein ausgesprochen tropischer Vertreter der Gattung hierauf mit einer weilichen
Eintrbung reagiert, welche an eine Eiweigerinnung denken lt und den Einzug in den Garnelenhimmel nach sich zieht. Die
organische Wasserbelastung sollte man so gering wie mglich halten, hhere Nitratwerte ber 25 mg/l, die fr Fische im allgemeinen
noch kein nennenswertes Problem darstellen, werden nur schlecht vertragen.

Bezaubernd und ntzlich: die Amanogarnele
Allerdings wird man in einem klug geplanten Pflanzenbecken mit migem Besatz/Ftterung keine Schwierigkeiten haben, diesen Wert
weit zu unterbieten, soweit man nicht schon auf stark belastetes Ausgangswasser zurckgreifen mu.

Wie man sieht, fgt sich C. japonica als idealer Baustein nahtlos in ein aus meiner Sicht wnschenswertes Aquariumgesamtkonzept
ein, mit einer kleinen Einschrnkung vielleicht:
Die notwendige Ergnzung des wichtigen Kohlenstoffes ber die Einleitung von CO2 sollte man etwas zurckhaltender handhaben, da
der Bedarf der Garnelen an Calcium, besonders vor und whrend der kritischen Hutungsphasen, relativ hoch ist.

Gro ist der Schreck, wird man erstmalig unvorbereitet mit dem Phnomen der Hutung konfrontiert. Unweigerlich nimmt man zunchst
an, man htte ein verstorbenes Tier vor Augen. Nach genauerer Inspektion lst sich dieser Schreck aber schnell in Erleichterung auf, da
man feststellt, da es sich nur um die weiche, leere Chitinhlle handelt. Der ursprngliche, aus der Haut gefahrene Inhalt erstrahlt
unterdessen an einem sicheren Ort im neuen Glanz und wartet auf die Aushrtung des noch weichen, neuen Exoskelettes.

Da auch kleine Krebstiere einmal gro und stark werden wollen, ihre starre Hlle jedoch nicht mitwachsen will, mu diese in
regelmigen Abstnden erneuert werden. So beneidenswert eine solche Fhigkeit auch auf uns Menschen wirken mag, fr die
Garnelen ist die Phase vor, whrend und nach der Hutung eine beraus kritische Zeit, in der hochkomplizierte Stoffwechselvorgnge
ablaufen und sogar verlorengegangene Gliedmaen wieder regeneriert werden knnen. Schon einige Tage vor der Hutung wird die
Nahrungsaufnahme eingestellt, da auch innere Organe miteinbezogen sind. Das wertvolle Calzium wird neben anderen, wichtigen
Mineralstoffen aus der alten Hlle resorbiert und die Garnele beginnt, ihren Krper mit Wasser aufzupumpen, bis die alte Hlle an einer
Sollbruchstelle aufplatzt. Nach dem Herauszwngen aus diesem Spalt wird die neue Hlle weiter mit Wasser aufgepumpt, so da es zu
einer Volumenvergrerung von bis zu 25% kommen kann. In diesem Stadium sind Krebstiere ihren Feinden (und auch Artgenossen)
schutzlos ausgeliefert, so da schnellstmglich das zuvor eingelagerte Calzium in die noch weiche, neue Hlle wieder eingebaut wird.

Sind genaue Informationen zur Haltung von Swassergarnelen schon Mangelware, so ist man bei dem Versuch einer erfolgreichen
Vermehrung nahezu gnzlich auf eigene Versuche angewiesen. Hierin liegt aber andererseits auch eine groe Herausforderung, da man
beim Betreten dieses aquaristischen Neulandes interessante Erkenntnisse sammeln kann.

Geselliges Beisammensein ….

Mchte man einmal einen solchen Versuch wagen, sollte man fr eine gute Ausgangsposition mglichst mit einer greren Gruppe von
C. japonica beginnen und darauf achten, unterschiedlich groe Tiere zu erwerben. Bei den greren, etwas plumper wirkenden Tieren
handelt es sich mit groer Wahrscheinlichkeit um Weibchen. Richtige Glckspilze knnen im Hndlerbecken auch bereits eiertragende,
weibliche Tiere entdecken.

Da sich die wesentlichen Bettigungsfelder (nicht nur) der Garnelen ohnehin auf Futter fassen und ausgiebige Anstrengungen zur
Arterhaltung erstrecken, wird man aber auch ohne solches Glck gehabt zu haben, bald die ersten Weibchen mit Eiern entdecken
knnen. Dafr stehen schon die Garnelenmnner gerade, welche ihren Teil geradezu penetrant gewissenhaft beitragen…

Eine erfolgreiche Begattung erkennt man daran, da in den Gonaden ber dem Kaumagen die Eipakete angelegt werden. Nach der
nchsten Hutung werden diese in einen Brutraum im Bereich der Schwimmfe abgelassen, ausgiebig vom Weibchen geputzt und mit
Frischwasser befchelt. Die Tragzeit bei Caridina japonica betrgt etwa 14 Tage, dann werden die winzig kleinen Larven in das Wasser
entlassen.

Ja, und nun wird es leider problematisch:
Bislang ist es mir nicht gelungen, diese im Wasser freischwebenden Larven ber einen greren Zeitraum als etwa drei Tage am Leben
zu erhalten. Es hat den Anschein, als gbe es bei dieser Caridina-Art Parallelen zur Gattung Atyopsis, deren Larven zwar ebenfalls im
Swasser freigesetzt werden, dann aber mit der Strmung ins Salzwasser (Brackwasser) verdriftet werden, ihre weitere Entwicklung
ber verschiedene Larvenstadien bis hin zur Junggarnele dort abschlieen, um dann wieder ins Swasser zurckzukehren. Auch
bezglich des Futterangebotes fr die einzelnen Larvenstadien kann ich zur Zeit noch keine genauen Angaben machen.

Eine spannende Aufgabe, deren Bewltigung ich auch erst seit kurzer Zeit in Angriff genommen habe.

Da andere Caridina-Arten, wie z.B. C. serrata, hier einen ganz anderen Weg der Bestandserhaltung eingeschlagen haben, das ist
wieder eine andere Geschichte…

Caridina japonica,
ein Zuchtbericht
Die Aufzucht bietet interessante Einblicke in den Entwicklungszyklus solcher Swassergarnelen, deren Larven ihre
Entwicklung (noch) im Brack- oder Meerwasser durchlaufen mssen und ist keinesfalls so aufwendig, da man sich von
einem Versuch abhalten lassen sollte. Interesse, ein wenig Geduld und das Vorhandensein beider Geschlechter schaffen
die ntigen Grundvoraussetzungen. Zum sicheren Ausmachen der Geschlechtsunterschiede (soweit nicht weibliche
Tiere bereits Eier tragen) greife ich auf die verblffend einfache Beobachtung von Fumitoshi Mori in Aquaristik aktuell
(7/8 98) zurck: Bei weiblichen C. japonica ist die erste Punktreihe ber den Schwimmfen zu lnglichen Strichen
ausgezogen.
Nach einer Tragzeit von etwa 30 Tagen werden durchschnittlich 2000 Larven vom Weibchen nach und nach in das
Swasser entlassen, der grte Teil hiervon in der Nacht. Diese treiben kopfunter als winzige Kommata im freien
Wasser, reagieren positiv phototaktisch und lassen sich daher mit einer kleinen Lampe in eine Ecke des Aquariums
locken und absaugen. Alternativ kann man das Weibchen auch rechtzeitig in einem kleinen Becken separieren.
Die abgesaugten Larven habe ich dann ohne weitere Umgewhnung direkt in ein rechtzeitig vorbereitetes
Brackwasserbecken (50x30x30) berfhrt. Der Salzgehalt betrgt 17g/Liter, verwendet wurde handelsbliches Meersalz
aus dem Aquaristikbedarf. Dieses Becken erhlt ausschlielich mildes Tageslicht, die Temperatur wird mittels
Stabheizer auf 25 C eingeregelt. keinesfalls darf eine Belftung installiert werden, anfngliche Mierfolge hatten ihre
Ursache darin, da die Larven in fortgeschrittenem Stadium Luft unter den Panzer bekamen, an der Oberflche trieben
und sich von dieser nicht wieder lsen konnten. Eine aufgelegte Abdeckscheibe verhindert die Aufsalzung durch
Verdunstung. Man sollte ein solches Aufzuchtbecken rechtzeitig vorbereiten, es stellen sich neben einem ppigen
Bewuchs mit Kieselalgen auch andere Mikroorganismen ein, welche das Nahrungsangebot fr die Larven ergnzen. Als
Aufzuchtfutter verwende ich geringe Mengen kurz aufgeschttelter Trockenhefe. Diese bildet einerseits die Grundlage fr
die Entwicklung von Bakterien und deren Konsumenten, wird andererseits aber auch direkt von den Larven
aufgenommen. Grere Partikel sinken zu Boden, kleinste Partikel gehen fr lange Zeit in Suspension und stehen im
freien Wasser zur Verfgung.
Die Larven durchlaufen nun in einem weiteren Monat in ihrer Entwicklung insgesamt neun sogenannte Zoea-Stadien. Erst
dann erfolgt die Metamorphose zum ersten juvenilen Stadium. Nun kann man auch mit bloem Auge die Schwimmfe
ausmachen, und die Junggarnelen lassen von ihrer bis dahin planktonischen Lebensweise ab und weiden die Kieselalgen
auf den Scheiben ab. Zu diesem Zeitpunkt sind die Kleinen ber den Berg und haben eine Gre von etwa 5mm erreicht.
Ich lasse die Junggarnelen im Brackwasser auf eine Gre von etwa 2cm heranwachsen, dann lassen sie sich
erstaunlicherweise wieder ohne Anpassung direkt in das Swasser berfhren und ohne Probleme weiter aufziehen.
Puhh :-), soweit ausnahmsweise im Telegramm-Stil die wichtigsten Informationen zu diesem Thema.
Es wrde mich freuen, wenn Ihr trotzdem Lust bekommen habt, auf diese Weise resourcenschonend die Bestnde
aufzustocken…
Lat Euch durch anfngliche Mierfolge nicht abschrecken, es berstehen auch bei weitem nicht alle Larven diese
strapazise Prozedur. Sitzen aber die ersten kleinen Amanos im Becken, ist der verhltnismig moderate Aufwand
schnell vergessen…
Animal Science

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